Isabel trinkt seit über 3 Jahren kein Alkohol. Ausschlaggebend war die Diagnose Histaminintoleranz.

Isabel haben wir schon länger auf unserem Insta-Radar. Zuerst als Inspiration für Zero Waste, wir Berliner lieben ja die Idee vom plastikfreien Leben und wie man ordentlich Müll trennt, aber auch über Themen wie Bodyshaming, Diversity, echtes Leben auf Instagram klärt Isabel als Sinnfluencerin auf ihrem IG-Channel auf. Kleines Markenzeichen: Die schwarzen Stecktafeln mit Quotes, die sie in die Kamera hält. 

Zwischen den Posts poppte kürzlich das Thema alkoholfrei auf. Sie berichtete, dass sie bereits über 3 Jahre auf Alkohol verzichtet. Grund hierfür: Eine Histaminintoleranz. Gerade in unserer Zeit haben verschiedenste Ernährungsformen und Unverträglichkeiten einen neuen Stellenwert eingenommen, Akzeptanz und Toleranz erlangt. Müsste man zumindest meinen. Dass Unverträglichkeiten nicht Grund genug sind, um einen Drink dankend abzulehnen, erzählt uns Isabel im Interview.

Hartnäckig bestehen Gastgeber, Gäste, Freunde oder Familie darauf, dass man wenigstens der Form halber anstößt. Ein Glas schadet doch nicht. Dagmar vom Verein Happy Baby No Alcohol, hatte bereits berichtet, dass auch bei Schwangerschaft ein »Nein« zu Alkohol selten akzeptiert wird. Gesundheit und Schwangerschaft sind nicht Grund genug, dass das Gegenüber das Ablehnen akzeptiert. Für uns bleibt die Frage: Wann wird ein »Nein« akzeptabel? Wir bleiben weiter dran und freuen uns jetzt auf das Interview mit Isabel. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast: 

Isabel, als du von deiner Histaminintoleranz erfahren hast, wie einfach bzw. wie schwierig war es für dich Alkohol aus deinem Leben zu streichen?

Von meiner Histaminintoleranz habe ich im Herbst 2017 erfahren. Ich hatte aber schon vorher immer wieder Symptome und eines davon war auch, dass ich gemerkt habe, dass ich Alkohol nicht mehr sonst vertragen habe. Anfang 2017 habe ich dann beschlossen keinen Alkohol mehr zu trinken. Da es mir so gesundheitlich viel besser ging, ist es mir überhaupt nicht schwergefallen. Schwierig war es am Anfang eher die einzige nüchterne Person auf einer Party zu sein, aber auch daran gewöhnt man sich, wenn man mit einer positiven Einstellung an die Sache ran geht. So habe ich zum Beispiel am nächsten Tag keinen Kater, kann mich an alles erinnern und bin oft trotzdem mit am längsten auf der Tanzfläche.

Wie hat dein engeres Umfeld darauf reagiert, als du dem Alkohol goodbye gesagt hast?

Das war sehr unterschiedlich. Da ich mit einem Freundeskreis aufgewachsen bin, in dem es normal war zu trinken und auch mal zu viel zu trinken, war es am Anfang komisch nichts zu trinken und ich habe auch oft auf die Ausrede, dass ich noch Auto fahren muss, zurückgegriffen. Viele haben versucht mich wieder zum Trinken zu bringen oder mir einen Drink anzudrehen. Ich habe es auch erlebt, dass jemand sogar richtig wütend wurde, weil ich nichts getrunken habe. Aber mittlerweile weiß mein Freundeskreis, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und es ist völlig okay.

Wie war bisher deine Erfahrung, als du Vino & Drinks abgelehnt hast? Musstest du dich erklären?

Hier habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht. Manche versuchen einen zu überreden, oft auch mal sehr penetrant und auf unangenehme Art und Weise. Dann gibt es auch Menschen, die interessiert sind und nachfragen warum ich nicht trinke, ob ich schon immer nichts getrunken habe und wie das so ist, nüchtern zwischen Betrunkenen zu sein. Und viele nehmen es auch einfach zur Kenntnis und zeigen keine Reaktion darauf.

Oft musste ich mich deswegen erklären: Am Anfang habe ich, wie bereits erwähnt, öfters Ausreden verwendet, weil ich keine Lust hatte mich immer wieder zu erklären. Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass besonders die Ausrede »man muss noch fahren.« akzeptiert wurde, statt die Entscheidung, dass man keinen Alkohol mehr trinkt.

Das Leben nach dem Alkohol: Wie hat sich dein Leben verändert?

Am Anfang habe ich mich nüchtern auf Partys unwohl gefühlt und mich nicht getraut zum Beispiel richtig zu tanzen. Aber dann habe ich meine Einstellung dazu geändert und mittlerweile habe ich überhaupt kein Problem mehr nüchtern auf einer Party zu sein und zu tanzen und Spaß zu haben. Denn es stimmt wirklich: Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben. Ich bereue aber die Zeit mit Alkohol auch nicht. Ansonsten merke ich auf jeden Fall, dass es mir gesundheitlich besser geht und sich auch meine Histaminintoleranz durch die Abstinenz verbessert hat.

Welche Alternativen hast du für dich gefunden und hast du einen Tipp, wie der Verzicht auf Alkohol gelingen kann?

Das ist mit einer Histaminintoleranz leider eh alles ein bisschen schwierig, weil ich das Meiste an Getränken nicht vertrage. Daher nehme ich mir einfach ein stilles Wasser. Auf die meisten Menschen wirkt das immer sehr traurig und eintönig, aber ich fühle mich so am besten und habe kein Problem damit einfach auf stilles Wasser zurückzugreifen. Deswegen habe ich gar keinen richtigen Tipp. Bei mir hat der Verzicht super geklappt. Ich habe mein eigenes Wort gehalten und keine Ausnahmen gemacht.

Letze Frage: Ist Trinken Gruppenzwang?

Ich würde sagen, dass es immer auf den Freundeskreis ankommt. Aber meistens fängt man mit dem Trinken an, weil es Freunde machen und man es daher auch mal ausprobieren möchte. Wichtig finde ich dabei, dass man sich nicht zwingt zu trinken, wenn man es überhaupt nicht mag und das der Freundeskreis das auch toleriert und einem nicht ständig überreden will oder sogar deswegen ausgrenzt.

Über die Autorin

Isabel |  Auf ihrem Instagram Account iisabelsophie berichtet Isa als Sinnfluencerin täglich über Themen wie Umweltschutz, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Auf einer ihrer Stecktafeln, die sie häufig in die Kamera hält, haben wir erfahren, dass sie seit über 3 Jahren auf Grund einer Histaminintoleranz alkoholfrei lebt.