Feiern ohne Rausch und Reue: Gideon von Sober Sensation im Interview

Feiern ohne Rausch und Reue: Gideon von Sober Sensation im Interview

Wer sich in die Weiten des Sober Lifestyles begibt, wird mit ziemlicher Sicherheit ganz schnell auf die Partyreihe Sober Sensation stoßen: Feiern ohne Alkohol? Yes  seit 2016 veranstaltet Gideon Bellin unter dem Namen Sober Sensation Events, wo eines weit und breit nicht zu finden ist: Alkohol. Stattdessen werden die fünf Sinne stimuliert mit Licht, Nebel, Musik und ausgewählten Getränken, die je nach Stadt und Saison wechseln. Durch die Pandemie ins Stocken geraten, haben wir bei Gideon nachgefragt, wie es um den Sober Lifestyle steht, was es Neues gibt und worauf wir uns freuen können. It’s your turn: 

Gideon, aus welcher Intention und Motivation heraus hast du die Partyreihe Sober Sensation gestartet?


Die Hauptintention hinter der Gründung der Partyreihe Sober Sensation war es andere Menschen zu inspirieren, dass es auch ein Nightlife ohne Alkohol und Drogen geben kann. Eine Partyreihe zu starten, die ohne exzessives Trinken auskommt und man einfach entspannt nach dem man stundenlang gefeiert hat, ins Bett fallen kann und ohne Kater am nächsten Tag aufsteht, das klingt doch nach einem Traum! Mit Sober Sensation will ich genau das den Menschen anbieten: Spaß ohne Reue, ohne Konsequenzen, ohne Rausch. Werte wie Freiheit, Bewusstsein und Verbundenheit greife ich in meinem Konzept auf und unterstütze jeden dabei diese zu kultivieren, weil wer ohne Alkohol feiern kann, den kann nichts mehr aufhalten. Schon mal probiert?


Wie war die Reaktion beziehungsweise das Interesse an deiner ersten Party und wie hat sich das im Laufe der Zeit verändert?


Die erste Sober Sensation Party fand am 14. Dezember 2016 statt. Dieses Konzept war so neu, dass es natürlich auch viele Skeptiker darunter gab. Mittlerweile hat sich der Name Sober Sensation auch langsam etabliert. Das Konzept hinter der Veranstaltungsreihe ist, dass statt Rausch alle Sinne bewusst mit Hilfe verschiedener Elemente angesprochen werden, wir nennen das hier die Five-Sense-Experience. Beispielsweise arbeiten wir mit besonderen Duftessenzen, die aus der Nebelmaschine kommen, oder mit Lichtinstallation, die den Charakter dieser Sober Party unterstreichen. Über die Zeit habe ich festgestellt, dass die Leute immer offener für diese Art zu Feiern sind, gerade auch weil der Wunsch nach bewussteren Leben, guter Gesundheit und nachhaltiger Selbstoptimierung stetig zunimmt. Mit Sober Sensation holen wir genau diese Menschen ab.

Wie blickst du in die Zukunft hinsichtlich Sober Sensation und was ist deine Vision?


Der Trend 
Mindful Drinking steht zwar noch am Anfang, meiner Meinung nach wird Sober Sensation ein globales Movement werden, welches das Leben und Feiern zum Guten verändert und viele Menschen inspirieren wird. Alkoholfrei feiern wird irgendwann in allen großen Metropolen stattfinden und Teil der Nachtszene werden. Es ist eine Frage der Zeit, wie es bereits beim Rauchen der Fall ist, das Trinken alkoholischer Getränke völlig out sein wird. Daher sehe ich der Zukunft hinsichtlich des Sober Movements besonders positiv entgegen. Gerade in Zeiten von Pandemie, macht es auch Sinn einen klaren Kopf zu behalten.

Meine Vision ist es neben der internationalen Partyreihe Sober Sensation eine Conscious Club-Kette zu eröffnen, quasi Gesundheits- und Bewusstseins-Tempel, die als Pendant zum Berghain stehen. Der Bekanntheitsgrad darf gerne der gleiche sein!

Neben den Sober-Veranstaltungen: Bringst du dich noch an anderer Stelle am Sober Movement mit ein?


Neben meiner Arbeit als Eventveranstalter bin ich Mitglied in der schwedischen Organisation Movendi. Movendi hieß bis Ende 2019 noch Guttempler und ist eine internationale Organisation, die neben der Enthaltsamkeit von Alkohol und Drogen, sich für Frieden und Solidarität einsetzt. Hier organisiere ich auch weltweit Events und nehme an den Jahres- und Quartalstreffen teil. Ebenfalls habe ich eine Kooperation mit Morning Gloryville, die nüchterne Raves in den frühen Morgenstunden in London organisieren, Breath & dance, Ecstatic Dance und der Meetup-Reihe eye contact experience in Berlin.

Kürzlich habe ich mit Lia Schmökel, einer Freundin von mir, einen Podcast namens Sober Talk gestartet. Hier ist auch unser Ziel Menschen dazu zu inspirieren, dass das Leben ohne Alkohol ziemlich nice ist.

Wie überzeugt man Freunde, die trinken, an eine Sober Sensation zu gehen?


Eins der Hauptargumente ist definitiv: Just do it. Einfach mal machen und ausprobieren. Aus der Komfortzone auszubrechen ist schwierig, gerade im Hinblick auf die jahrelange Trink- & Feier-Routinen. Um Freunde dazu zu überzeugen, kann man beispielsweise auch Kompromisse aushandeln: auf die Sober Sensation gehen und hinterher noch in eine Bar, um sich über die neuen Eindrücke auszutauschen. 

Darüber hinaus ist die Neugierde was hinter der Five-Sense-Experience steckt groß: Hier arbeiten wir auch Zukunft daran, diese weiter auszufeilen und weiterzuentwickeln.

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